| Die Hüter der Gerüchteküche |
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| Geschrieben von: Ralf Stumpf |
| Freitag, den 23. Oktober 2009 um 12:45 Uhr |
Die Hüter der Gerüchteküche oder: Die Sekretärin als Regisseurin der FirmengeschichtenGerüchte, Legenden, Neuigkeiten und Tratsch: aus diesem Geschichtengewebe besteht die Firmenidentität! Da ist es gut, wenn jemand sich mit Herz und Hirn darum kümmert, dass auch genügend positive Gerüchte, Legenden, Neuigkeiten und Tratsch umlaufen. Dann macht die Firma Spaß und alle arbeitet gerne dort. Am 17.10. war ich als Referent auf dem Office Forum 2009 eingeladen. (Das Office Forum ist das jährliche Treffen von Office Professionals aus ganz Deutschland, veranstaltet von der tempra akademie, dem Bundesverband Sekretariat- und Büromanagement und von der Initiative Office-Excellence.) Das Thema war spannend und top-aktuell: »Die Hüter der Gerüchteküche – die Sekretärin als Regisseurin der Firmengeschichten«. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, bewusst darauf zu achten, welche Geschichten in der Firma erzählt werden, denn Geschichten formen die Firmenidentität. Doch zum Glück kann man diese Geschichten steuern. Wie – das lesen Sie in meinem Beitrag zum Office Forum 2009: Darum geht's:
Geschichten schaffen WirklichkeitSie können die Welt in zwei Ebenen unterteilen: Auf der einen (unteren) Ebene finden Sie Wahrnehmung und Beobachtung. Hier ist alles, was Sie mit Ihren fünf Sinnen wahrnehmen können. Hier befindet sich der gesamte Inhalt, das Merkwort dafür ist P.L.A.T.O.: Person, Location, Activity, Time und Object. Wenn also eine bestimmte Person, ein bestimmter Ort, eine bestimmte Tätigkeit, ein Zeitpunkt oder ein Gegenstand vorkommt, dann ist es diese Ebene der »Wahrheit erster Ordnung«. Über Plato thront Z.E.U.S. und der steht für zusammenhängend, emotional, universal (übertragbar) und sinnvoll (bedeutend). Auf dieser Ebene werden die Fakten der unteren Ebene geordnet und verstanden. Hier geht es um Interpretation und Bewertung. Dies sind die »Wahrheiten zweiter Ordnung«. Geschichten verbinden die beiden Ebenen und erschaffen die Wirklichkeit, weil sie die Fakten ordnen und ihnen Bedeutung geben. Darauf ein Gläschen S.E.K.T.: Geschichten sind simpel (einfache Botschaft), emotional, konkret (bildhaft) und typisch (sie entsprechen dem Muster der Heldenreise, dem Monomythos!) Beispielsätze:
Übung 1: Sprichworte übersetzen Nehmen Sie sich einige Sprichworte, übersetzen Sie deren Botschaft in Sachtext und überprüfen Sie, inwieweit Sie P.L.A.T.O., Z.E.U.S. und S.E.K.T. finden. – Bekommen Sie ein Gespür für die Eleganz von Geschichten …? Übungsmaterial: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. – Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. – Viele Köche verderben den Brei. – Wes Brot ich ess', des Lied ich sing. – Man kann nicht gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen. – Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. – Alle Wege führen nach Rom. – Alte Füchse gehen schwer in die Falle. – Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. – Das Rad, das am lautesten quietscht, bekommt das meiste Fett. Übung 2: Welche Geschichten gehen in Ihrer Firma um? Was wird ein Neuer bei Ihnen in den ersten Tagen erfahren? – Notieren Sie die Geschichten (meistens wird ein Satz reichen), benennen Sie die Aussage und sortieren Sie, welche Geschichten positiv und welche negativ sind. (Welche Gruppe überwiegt?) Schlechte Geschichten entschärfenWie es nicht funktioniert: widersprechen, dementieren, richtigstellen, Fakten nennen. Wie es funktioniert: Der einzige Weg, eine gute Geschichte zu neutralisieren, führt über eine noch bessere Geschichte. Besser heißt dabei größer. Dafür gibt es z.B. diese drei guten Möglichkeiten:
Beispiel 1: Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Die Könige boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte dann: »Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Freund. Und wie könnte man seinen eigenen Freund verkaufen?« Der Mann war arm, aber sein Pferd verkaufte er nie. Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: »Du dummer alter Mann. Wir haben gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück! Welch ein Unglück! Nein!« Der alte Mann sagte: »Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: 'Das Pferd ist nicht im Stall.' Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht.« Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber am nächsten Tag kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute und sie sagten: »Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.« Der Alte entgegnete: »Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: 'Das Pferd ist zurück.' Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht?« Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die Beine. Wieder versammelten sich die Leute. Sie sagten: »Wieder hattest Du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor. So ein Unglück!« Der Alte antwortete: »Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten und mehr bekommt ihr nie zu sehen.« Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: »Du hattest recht, alter Mann - es hat sich nicht als Unglück erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort.« Der alte Mann antwortete wieder: »Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur, dass man euere Söhne in die Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist.« Beispiel 2: Was halten Sie davon, dass einer in der Stadt mit Tempo 80 unterwegs war? --- Es war ein Krankenwagen. --- Allerdings war der nicht im Einsatz, sondern auf dem Weg ins Depot. --- Übrigens war es auf der Stadtautobahn. --- In einer einspurigen Baustelle, wo Tempo 40 vorgeschrieben war. --- Beispiel 3: »Ich habe gehört, der Herr Huber kann ja ganz schön viel Alkohol vertragen, der soll ja gut im Training sein …!« --- »Ach diese alte Geschichte! Die ist vom Pjotriwitsch, der wollte unseren Huber bei einer Verhandlung unter den Tisch trinken und hat nicht gemerkt, dass der Huber beim Anstoßen den Wodka immer auf den Boden gekippt hat! Der Teppich war hinterher quietschnass, aber der Pjotriwitsch lag da schon unterm Tisch. Hinterher war der stocksauer und konnte es sich nicht anders erklären, als das unser Huber Trinker ist und hat dieses dumme Gerücht gestreut.« --- »Ach Gott, die Pjotriwitsch-Geschichte haben Sie gehört …? Als der Huber merkte, dass sein Alkoholkonsum langsam auffällt, hat er sich tatsächlich einen Geschichtencoach genommen und die haben diese Räubergeschichte erfunden. Die Pjotriwitsch-Geschichte hat dem Huber 2.000 Euro gekostet!« Übung 3: Nehmen Sie die negativen Geschichten ,die in Ihrer Firma umlaufen und wenden Sie die drei Techniken an: Lassen Sie die Geschichte früher beginnen, erzählen Sie die Fortsetzung oder vergrößern Sie das Bild. Die Struktur großer Geschichten: die Heldenreise
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