| Das wichtigste Netzwerk Ihres Lebens |
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| Geschrieben von: Ralf Stumpf |
| Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 09:31 Uhr |
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erstmals veröffentlicht 1999 in der Zeitschrift MultiMind von Ralf Stumpf und Elke Lässig. Netzwerke sind wichtig. Jedenfalls sagten uns das unsere Freunde und Bekannten. Informationen, Aufträge, Jobs - bekommt man alles übers Netzwerk. Mit einem Netzwerk haben Sie hundert Augen und Ohren. Kontakte sind der Treibstoff des Wirtschaftslebens. Also schauten wir uns unsere Erfolge an. Und tatsächlich: Die zündenden Funken kamen durch andere Menschen. Allerdings hätten wir diese Menschen ›Bekannte‹ oder ›Freunde‹ genannt, nicht Netzwerk. Aber wenn es verschiedene Worte gibt, dann beschreiben diese sicher auch Verschiedenes. Es muss einen Unterschied geben zwischen Netzwerk, Club, Freundeskreis und Bekanntenkreis. Wir brannten darauf, diesen herausfinden. Wir fragten alle möglichen Leute, wie diese denn ihre Jobs bekommen haben, wichtige Informationen hörten, einen guten Arzt fanden oder zu ihrem Urlaubshotel kamen: über Kontakte. In den meisten Fällen waren es allerdings Freunde und Bekannte. Keine Rede vom Netzwerk … Und da wir schon mal beim Fragen waren, fragten wir auch gleich, ob die Menschen gerne mehr Kontakte hätten und ein tolles Netzwerk? - Ja! Ja! Ja! Was denn allerdings der Unterschied sei zwischen einem Freundes- und Bekanntenkreis und einem Netzwerk - tja … Den Jackpot konnte keiner knacken.. Mit dem Wunsch, die Geheimnisse des Networking zu ergründen, befanden wir uns in bester Gesellschaft. Jeder den wir befragten, fand Netzwerke wichtig. Der Bedarf ist da und er ist groß. Alle wollen Netzwerke. Wenn wir dann fragten, wer denn ein tolles Netzwerk kennt, kam verlegenes Gemurmel. Ja ja, man kenne da ein paar Leute. Nein, Netzwerk könne man das nicht wirklich nennen. Man hätte aber schon einmal von einem Treffen gehört, das ganz toll sein soll. Da wir auch ein tolles Netzwerk wollten und - so auf die schnelle - keines fanden, entschieden wir uns, selbst eins zu gründen. Die Idee war, sich gegenseitig zu unterstützen, zu supervidieren, sich bei der Akquise zu helfen und sich die neuesten Erkenntnisse und Tricks zu verraten. Alle waren begeistert und fanden, es wäre eine tolle Idee. Drei Treffen gab es, dann war die Luft raus. Das Netzwerk wurde nie offiziell aufgelöst, es kam nur einfach keiner mehr … Zwei weitere Versuche endeten ähnlich: Anfangs gab es Begeisterung und Bekenntnisse zu Motivation und Verbindlichkeit. Und dann löste sich alles in Wohlgefallen auf. Die Klippen, an denen es jeweils scheiterte, waren ähnlich. Jeder wusste, was er oder sie sich vom Netzwerk versprach. Doch was man zu geben bereit war, war nebulös. Das Hauptmotiv war, Aufträge zu bekommen. Als diese dann kamen - von anderer Seite übrigens, nicht über das Netzwerk - da war das Netzwerk dann nicht mehr interessant. Hier verwandelte sich Leidenschaft in Berechnung und schließlich in Asche. Was blieb war der ungestillte Wunsch nach Austausch, Kontakten und wertschätzendem Feedback … Nun kann es ja sein, dass wir uns einfach ungeschickt angestellt haben. Wahrscheinlich haben andere die gleiche Idee erfolgreich umgesetzt. Bestimmt sprießen überall viele tolle Netzwerke - denn die sind ja total wichtig. Also machten wir uns auf, diese Szene zu erkunden … Und wirklich: An Angeboten herrscht kein Mangel. Wer genügend Zeit hat, kann zum Netzwerkjunkie werden und an jedem Abend drei Treffen besuchen. Die meisten davon heißen nicht Netzwerk, sondern ›Network‹, ›Stammtisch‹ oder ›Club‹. Und viel richtet sich an Frauen, ›Womans‹ oder ›Ladys‹. Dabei gibt es eine Menge Treffen, aber keinen ›Netzwerkkalender‹. Die erste Schwierigkeit ist also, von den Treffen zu erfahren. Doch hier gibt es einen Trick: Fragen Sie einfach in Ihrem Bekanntenkreis, irgendwer kennt bestimmt ein Netzwerk. Gehen Sie dann dorthin, lernen Sie Leute kennen und fragen Sie diese nach weiteren Netzwerktipps. Bitten Sie darum, dass man Sie mitnimmt. Bei manchen Treffen kommen Sie nur auf Empfehlung rein. Doch meistens ist es ganz leicht, eingeladen zu werden. Normalerweise kostet es Geld. 10 bis 50 Euro müssen Gäste schon hinlegen. Mitglieder zahlen einen Aufnahme- oder Jahresbeitrag (50 bis 5.000 Euro). Natürlich bekommen Sie auch was geboten fürs Geld. Meistens einen Vortrag. Eins ist klar: bei Netzwerktreffen geht es um Netzwerke. Der Vortrag steht dabei nicht unbedingt im Mittelpunkt. Viele Vorträge sind ehr Vorwände. Entsprechend durchwachsen ist die Qualität dieser Darbietungen. Von grottenschlecht bis anbetungswürdig ist alles dabei. Aber darum geht es nicht. Es geht um Kontakte. Es geht darum, Visitenkarten auszutauschen. Es geht darum, den entscheidenden Menschen kennenzulernen. Letztendlich geht es darum, einen Auftrag zu bekommen. An dieser Stelle werden dann die Gespräche etwas angestrengt. Dieses sich gegenseitig abchecken nach möglichen Profiten, dieses Taxieren, Einordnen in verschiedene Schubladen der Nützlichkeit. Es gibt Treffen, da ist das von Anfang an klar. Da trifft man sich, um sich gegenseitig als Kunden zu angeln. Diese Treffen sind angenehm - wegen der Klarheit. Bei anderen Treffen geht es offiziell um höhere Ideale, wohltätiger oder humanistischer Art. In Wirklichkeit stehen auch hier handfeste Profitinteressen dahinter. Mit keinem Wort sei gesagt, dass das schlecht ist. Im Gegenteil: Deswegen gehen die Menschen dorthin. Weil sie etwas wollen. Irgendwann kennt man das Ritual. Hingehen, Vortrag anhören, sich vorstellen, anschließend Leute kennenlernen. Spannende Leute. Interessante Leute. Die anderen wollen das Gleiche. Die anderen überprüfen ihrerseits, ob Sie spannend und interessant sind. Small Talk im Raubtierkäfig. Und manchmal, da geschieht es, und Sie lernen einen kennen, und Sie finden den richtig sympathisch! Das ist dann der Haupttreffer. Und verblüfft stellen Sie fest, dass Sie sich eine Stunde unterhalten haben, über alles mögliche - außer übers Geschäft. Nennen Sie das Erfolg oder Misserfolg? Angeblich haben ja alle den Wunsch, sich wechselseitig zu unterstützen, sich Feedback (oder Supervision) zu geben, sich Kontakte zu vermitteln und vielleicht sogar Aufträge. Nur komisch, dass wir kaum Netzwerke kennengelernt haben, die so funktionieren. Fragen Sie sich ehrlich: Wenn Sie ganz neu in ein Netzwerk kommen, sind Sie dann bereit, einfach so zu geben, ohne, dass Sie die Rendite kennen, ohne, dass Sie schon was bekommen haben? Geben Sie Ihre besten Tipps, Tricks und Kontakte weiter? Ohne Gegenleistung? Unterstützen Sie die anderen und geben Sie aus offenem Herzen Ihr allerbestes Feedback - ohne zu wissen, was Sie zurückbekommen? Wir wissen nicht, wie Sie antworten. Wir wissen aber, dass so kaum einer handelt. Und wir haben erfahren, dass deswegen die meisten Netzwerke nicht funktionieren. Die Mehrheit der Netzwerke sind mehr oder weniger bemühte Treffen, die die Gelegenheit bieten, ab und zu einen(!) Menschen kennenzulernen, der dann zu einem Teil Ihres persönlichen Netzwerks wird. Oder zu einem Teil Ihres Freundes- und Bekanntenkreises? (Womit wir wieder bei der Frage nach dem Unterschied sind.) Einige Netzwerke haben wir dann doch entdeckt, die genau so funktionierten, wie es sich alle wünschen. Keines davon nannte sich Netzwerk. Alle sind es altehrwürdige Veranstaltungen. Die Menschen, die sich dort treffen, tun dies seit Jahren, regelmäßig und zuverlässig. Verbindlichkeit ist ein hoher Wert. Wenn Sie die Gelegenheit haben, dort teilzunehmen, dann treffen Sie Menschen, die sich gerne helfen. Einfach so, ohne auf die Rendite zu achten. Es sind Menschen, die irgendwann erkannt haben, dass es nicht notwenig ist, darauf zu achten, da es sowieso zurückkommt - vielleicht von einer ganz anderen Seite. Diese Idee ist vielen esoterisch angehauchten Menschen bekannt. Diese Idee wirklich zu leben, braucht sehr viel Mut und einen langen Atem. Wir haben erkannt (oder beschlossen?), dass es für uns keinen Unterschied zwischen Netzwerk und Bekanntenkreis gibt. Das entscheidende Netzwerk ist der eigene Bekanntenkreis. Bei dem Wort ›Netzwerk‹ ist es einfach viel selbstverständlicher, an ›Pflege‹ zu denken. Einen Bekanntenkreis hat man geschenkt. Ein Netzwerk baut man sich auf und pflegt es. Malcolm Gladwell beschreibt in seinem Buch ›Der Tipping Point‹ (Malcolm Gladwell: ›Der Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können.‹ - Berlin-Vlg., Berlin (2000). Gebundene Ausgabe: EUR 19,90 - Taschenbuchausgabe angekündigt: Goldmann, Mchn. EUR 9,90 - Artikel zum Thema war: http://www.brandeins.de/magazin/archiv/2001/ausgabe_09/ was_wirtschaft_treibt/artikel3.html - Link nicht mehr aktiv), wie sich Botschaften epidemisch verbreiten. Dazu braucht es einen Erreger (die Botschaft) und ein geeignetes Milieu. Dieses Milieu besteht aus Kennern, Vermittler und Verkäufern. Die Kenner entdecken die Botschaft, kümmern sich aber nicht besonders darum, diese zu verbreiten. Die Vermittler erfahren die Botschaft - zufällig - von einem Kenner. Wenn dann solch ein Vermittler von einer Botschaft infiziert ist, dann brennt dieser und verbreitet die Botschaft wie ein Lauffeuer. Damit dieses Lauffeuer kein Strohfeuer bleibt, braucht es Verkäufer. Die Verkäufer pflanzen die Botschaft tief in Herz und Hirn. Jetzt haben Sie die Epidemie. Die Vermittler sind dabei diejenigen, die das große Netzwerk haben. Oder den großen Bekanntenkreis. Oder exakt: viele Kreise. Der Bekanntenkreis der meisten Menschen besteht aus Menschen, die ungefähr so sind, wie sie selbst. Vermittler beherrschen die Kunst, ganz andere Menschen zu kennen. Vermittler haben Kontakt in viele verschiedene Kreise. Wenn Sie selbst noch keine Vermittlerqualitäten haben, dann sind die Vermittler in Ihrem Bekanntenkreis (oder Netzwerk?) die Menschen, über die Sie selbst Kontakt zu ganz anderen Menschen bekommen. Angenommen, Sie ständen noch am Anfang Ihrer Karriere und wären deshalb noch relativ erfolglos. Dann besteht Ihr Bekanntenkreis vermutlich aus Menschen, die ebenfalls noch relativ erfolglos sind. Das ist soweit ganz normal. Aber normal ist nicht gleich erfolgreich. Um Erfolg zu haben, brauchen Sie Kontakt zu erfolgreichen Menschen, also zu Menschen, die ganz anders sind, als Sie selbst. Diese kennenzulernen ist eine Kunst. Vermittler beherrschen diese Kunst. Vermittler beherrschen die Kunst der schwachen Bindung. Schwache Bindungen sind lockere Bekanntschaften. Solche Menschen sehen Sie vielleicht ein oder zweimal im Jahr. Vielleicht schreiben Sie denen auch nur eine Weihnachts- und eine Geburtstagskarte. Doch genau von solchen Menschen bekommen Sie die wertvollen Tipps und Informationen. Machen Sie zwei Experimente: [1] Notieren Sie Ihre großen Erfolge und schreiben Sie auf, inwieweit dabei andere Menschen eine Rolle spielten, als Tippgeber oder Kontakteknüpfer. Stellen Sie dann fest, ob es sich um Freunde, gute Bekannte oder lockere Bekanntschaften (›schwache Bindung‹!) handelte. Und …? [2] Schreiben Sie eine Liste der wichtigen Menschen Ihrer Gegenwart und schreiben Sie jeweils hinter jeden Namen, wie oder über wen Sie diesen Menschen kennengelernt haben. Wenn Sie dabei feststellen, dass Sie die meisten Leute selbst kennengerlernt haben, dann spricht das für Ihre Vermittlerqualitäten. Wenn Sie die meisten Menschen über andere Menschen kennengelernt haben, dann sind Sie selbst vermutlich ehr Kenner oder Verkäufer. Wenn Sie feststellen, dass Sie ganz viele Menschen über einige wenige Menschen kennengelernt haben - dann sind diese wenigen wahrscheinlich die Vermittler in Ihrem Netzwerk. Pflegen Sie diese Kontakte! Das wirklich wichtige Netzwerk Ihres Lebens ist Ihr ganz persönliches Netzwerk. Dieses sollten Sie aufbauen, (sorgfältig und bewusst) und pflegen. Halten Sie Ausschau nach Menschen, die anders sind, als Sie selbst. Sammeln Sie Freaks! Sortieren Sie diese Menschen nicht sofort nach Nützlichkeit. Lassen Sie sich von Ihrem Herzen leiten, gehen Sie nach Sympathie. Tun Sie etwas für diese Menschen - ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten. Lassen Sie es sich zur guten Gewohnheit werden, Kontakte zu stiften, und verknüpfen Sie andere Menschen miteinander. Wenn Sie schnell Erfolg haben wollen, dann seien Sie so mutig, Ihr Bestes zu geben: Informationen, Kontakte, Unterstützung Verlassen Sie sich darauf, dass Sie reichlich Gegengeschenke erhalten werden. Und trauen Sie sich, um etwas zu bitten. Viele Menschen haben Schwierigkeiten damit, andere Menschen um etwas zu bitten. Überlegen Sie sich, wie Sie selbst reagieren, wenn Sie um etwas gebeten werden. Wahrscheinlich helfen Sie gerne, wenn die Bitte freundlich vorgetragen wird. Anderen geht es genauso. Also: Bitten Sie um den Job, bitten Sie um Unterstützung, bitten Sie um den Kontakt. Wir betrachten unser persönliches Netzwerk als unser größtes Kapital. Dieses Netzwerk hegen und pflegen wir. Wir investieren gerne in unser Netzwerk und wir helfen gerne anderen Menschen. Und wir starten den nächsten Anlauf, ein Netzwerk zu gründen. Das heißt, wir schaffen die Gelegenheit, dass Menschen sich kennenlernen können. Alle Netzwerke, die wir kennen, definieren sich über gemeinsame Interessen (z.B. das Ziel, Aufträge zu akquirieren) oder einen gemeinsamen Kontext (z.B. die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe). Was wir nie gefunden haben, ist ein Netzwerk von Menschen, die über eine gemeinsame Einstellung zueinander finden. Und genau das wollen wir jetzt gründen. Tom Peters hat drei wunderbare Bücher geschrieben, die TOP50-Reihe (Tom Peters: ›Top 50 - Selbstmanagement. Machen Sie aus sich die ICH AG.‹ - ›Top 50 - Projektmanagement. Machen Sie aus jeder Aufgabe ein Erlebnis.‹ - ›Top 50 - Servicemanagement. Machen Sie aus sich den perfekten Dienstleister.‹ - Alle Econ, München (2001); je EUR 14,95). Seine Grundaussage ist, dass Arbeit einen Sinn hat, das Arbeit Spaß macht und das Arbeit mit Erfüllung zu tun hat. 100 % WOW. Eine tolle Einstellung. Wenn Sie diese teilen, dann gehören Sie zu einer Minderheit. In vielen Firmen sitzen ein oder zwei Menschen mit dieser Einstellung. Und die sitzen da ziemlich alleine. Das wollen wir ändern und deshalb bieten wir einen Rahmen, in dem Sie gute Chancen haben, Menschen mit einer ähnlichen Einstellung zu treffen. Außerdem ist es selbstverständlich, dass die Teilnehmer bereit sind, zuerst zu geben und dann zu nehmen. Und es braucht gemeinsame Werte, z.B. Verbindlichkeit. Das Projekt startet diesen Sommer. Wenn es gelingt, werden Sie davon erfahren. Wenn es scheitert - dann werden wir daraus lernen und es wieder versuchen! In jedem Fall wird sich unser persönliches Netzwerk um weitere wunderbare Menschen erweitern. Viele Menschen suchen ein tolles Netzwerk, und vernachlässigen ihren Bekanntenkreis. Dabei ist ein guter und vielfältiger Bekanntenkreis die optimale Grundlage für alles, was Sie sich von einem tollen Netzwerk wünschen. Vertrödeln Sie Ihre Zeit nicht auf der Suche nach dem perfekten Netzwerk. Pflegen und erweitern Sie stattdessen Ihren Bekanntenkreis. Nutzen Sie dazu jede Gelegenheit - auch ›Netzwerktreffen‹! Und lassen Sie andere Menschen an Ihren guten Erfahrungen teilhaben. |



