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Was Storycode bringt - Führen durch eine Vision PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Stumpf   
Donnerstag, den 02. Juli 2009 um 18:47 Uhr

Führen durch eine Vision


Ein kleines Unternehmen in Bayern lud uns ein und wünschte sich eine Veränderung der Führungskultur. Der Inhaber war ein sehr kultivierter Herr mit hoher Fachkompetenz. Sein Führungsstil war auch sehr kultiviert und eher zurückhaltend. Seine Mitarbeiter bewunderten ihn als fachliches Vorbild und wussten, dass sie in dieser Hinsicht sehr viel von ihm lernen konnten. Gleichzeitig vermissten sie eine klare Führung und forderten(!) mehr Härte. Innerhalb des Teams bildeten sich Grüppchen und eine Mitarbeiterin versuchte, verdeckt die Führung zu übernehmen. Im Einzelgespräch mit dem Inhaber wurde klar, dass dieser nicht der Typ war, mit eiserner Hand zu regieren. Es entsprach ihm nicht und er wollte es nicht. In einem Treffen mit allen Beteiligten stellten wir das Konzept »Führen durch eine Vision« vor: nach unserer Meinung ist eine Führungskraft jemand, der eine Vision hat, die so attraktiv ist, dass andere sich ihr gerne anschließen. Da alle das Konzept vielversprechend fanden, erarbeiteten wir anschließend in Einzelsitzungen mit dem Inhaber seine Vision. Wir sind davon überzeugt, dass die persönliche Vision etwas ist, was sich von Anfang an in jeder Szene der persönlichen Geschichte zeigt. Wir redeten deswegen ausführlich über die Lebensgeschichte des Inhabers und suchten nach jenen magischen Momenten, in denen man es einfach weiß. Allen diesen Momenten liegt ein verbindendes Muster zugrunde. Wenn man dieses Muster formuliert und verallgemeinert, ist das ein exzellenter Ansatz für eine persönliche Vision.

Es war relativ einfach, die Vision zu formulieren. Doch die Vision ist das persönlichste und intimste eines Menschen. Es war für den Inhaber anfangs völlig undenkbar, diese Vision mit seinen Mitarbeitern zu teilen. Doch gleichzeitig wusste er, dass es keine überzeugende Alternative gab. Die (nunmehr bewusste) Vision gab seinem Leben Kraft und Richtung. Er spürte, dass sie bei seinen Mitarbeitern eine ähnliche Wirkung haben würde. Also machte er sich noch einmal klar, was die Vision für ihn bedeutete und ging ganz bewusst das Risiko ein, dass sie ihn vielleicht nicht verstehen oder sogar auslachen würden.

Das anschließende Treffen der Gruppe war ein magischer Augenblick. Die Mitarbeiter erlebten ihren Chef auf eine Art, wie sie ihn bis dahin nicht kannten: offen, emotional, menschlich, berührt, tief und ausdrucksstark. Je mehr es dem Chef gelang, seine Vision darzustellen, umso mehr öffneten sich auch seine Mitarbeiter. Plötzlich erzählten auch diese Geschichten von sich, die tief und berührend waren. »Solche« Geschichten haben normalerweise im Businesskontext keinen Platz. Doch genau solche Geschichten sind es, aus denen Menschen die meiste Kraft schöpfen und über die sich Menschen am besten kennen lernen können und eine wirkliche Beziehung knüpfen.

Danach war die kleine Firma wie verwandelt: Alle zogen an einem Strang und hatten plötzlich das Gefühl, wirklich Partner mit einem gemeinsamen Ziel zu sein. Dem Inhaber wurde bewusst, wie wichtig seine Vision für ihn und sein Leben ist. Dies gab ihm die Kraft, viel klarer und konsequenter in seiner Führung zu sein. Die Mitarbeiter konnten sein Vorbild viel besser nutzen, weil sie jetzt den Hintergrund kannten, aus dem seine Qualität kam. Aus den Grüppchen wurde eine Gruppe mit einer gemeinsamen Vision. Auch die verdeckte Nummer eins konnte sich jetzt gut einordnen.

Heute ist es so, dass alle in der Firma einfach ihre Arbeit machen und natürlich nicht dauernd über die Vision reden. Die gemeinsame Vision ist eine selbstverständliche Grundlage der gemeinsamen Arbeit. Manchmal bezieht man sich auf die Vision, manchmal bringt man sie ganz bewusst in Erinnerung und neuen Mitarbeitern wird sie ausführlich vorgestellt. Kommt man in die Firma, erlebt man Menschen, die einen guten Draht zueinander haben, ein gemeinsames Ziel verfolgen und es sehr schätzen, dass auf diesem Weg einer sehr klar die Führung hat.


Einen ähnlichen Effekt kann auch die individuelle Arbeit an der persönlichen Geschichte haben:




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