| Storycode und die Heldenreise im eigenen Leben |
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| Geschrieben von: Ralf Stumpf | |||||
| Freitag, den 06. November 2009 um 13:45 Uhr | |||||
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Die Realität, die wir wahrzunehmen glauben, ist längst nicht so stabil, wie sie uns erscheint. Physiker, Psychologen und Gehirnforscher sind seit über 100 Jahren dabei, unser Konzept der Wirklichkeit auf den Prüfstand zu stellen. Die Realität entpuppt sich mehr und mehr als ein Konstrukt, welches wir aktiv erschaffen. Wir (Ralf Stumpf und Mirela Ivanceanu) erforschen seit Jahren, welche Rolle Geschichten bei diesem Prozess spielen. In diesem Interview erkläre ich (RS) die von uns begründete Storycode-Methode und zeige Möglichkeiten, die subjektive Wirklichkeit zu verändern.Frage: Herr Stumpf, für die meisten Menschen gilt es ehr als Zeichen geistiger Gesundheit, klar zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden. Sie behaupten nun, der Unterschied wäre kleiner als wir denken? Ralf Stumpf: Die Menschen gehen ins Kino, um dort genussvoll zu sehen, was sie selbst niemals erleben wollen. Doch das, was wir auf der Leinwand sehen, hat exakt die gleiche Struktur, in der wir auch unser Leben erleben. Das ist der Grund, warum uns diese Geschichten so ansprechen: Wir kennen die Geschichte aus unserem eigenen Leben. Es ist die Heldenreise und die wird seit Jahrtausenden immer wieder erzählt und erlebt. Wenn man sich so umsieht, dann sehen die meisten Menschen nicht wirklich wie Helden aus. Wenn man sich unter einem Helden nur einen muskelbepackten Schwertträger vorstellt, dann gibt es allerdings nur wenige heutzutage. Die Heldenreise beschreibt im Kern eine Transformation. In Kulturen, in denen sich die Schamanen damit noch auskannten, wurden alle Stammesmitglieder sehr bewusst durch Rituale geführt, die eine tiefe Transformationserfahrung boten. Diese Rituale gehen durch einen Moment großer Angst. Man glaubt zu sterben – und stirbt natürlich nicht. Dadurch wird es zu einer starken Erfahrung, die einem hilft, spätere Transformationen im Leben zuversichtlicher anzupacken. Jeder Mensch, der eine Transformation erlebt, erlebt eine Heldenreise. Die Geburt ist die erste. Letztendlich ist aber jede Veränderung eine Heldenreise, zum Beispiel jede große Entscheidung oder jede Veränderung einer inneren Überzeugung oder auch jede Kaufentscheidung. Ein guter Verkäufer wird seinen Kunden den Kauf als Heldenreise erleben lassen! Sie behaupten also, dass die vielen großen und kleinen Ereignisse in unserem Leben alle dem selben Plan folgen? Dann stünde der Ablauf aller Ereignisse ja von vorneherein fest – was er ja offensichtlich nicht tut. Die Heldenreise existiert nicht in der Wirklichkeit »da draußen«, sondern in unserer subjektiv erlebten Welt. Durch die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte wird immer klarer, dass wir keine Chance haben, die wirkliche Welt zu erkennen. Wenn Sie lesen, was die Quantenphysiker schreiben und Sie versuchen sich anschließend vorzustellen, dass die »Materie« in Wirklichkeit nur aus Wahrscheinlichkeitswellen besteht und das, was wir als massiv erleben, zu 99 % aus Leere besteht – also, ich kann mir das nicht wirklich vorstellen! Theoretisch wissen wir heute, dass unsere Sinnesorgane jeweils nur auf einen kleinen Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums reagieren. Das meiste bekommen wir nicht mit. Schon Ihr Hund lebt in einer gänzlich anderen Welt, weil er deutlich schlechter sieht, aber dafür hunderttausendmal besser riechen kann. Sobald wir auf die Welt kommen, verwenden wir Jahre unseres Lebens darauf, die Sinneseindrücke zu kategorisieren und in eine sinnvolle Ordnung zu bringen. Genaugenommen sind das die Jahre, in denen wir die Welt konstruieren, sie buchstäblich erschaffen. Aus diesem Grund meinte Nietzsche, wir wären alle größere Künstler, als wir glaubten! Dieser Prozess des bedeutungsgebenden Ordnens endet allerdings nicht damit, dass wir Gegenstände erkennen. Die wirklich erstaunliche Leistung unseres Bewusstseins besteht darin, dass wir irgendwann außer Gegenständen auch noch Ereignisse wahrnehmen und noch später diese Ereignisse mit größeren zeitlichen Abfolgen verbinden. Damit haben wir ein Konzept von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entwickelt und beginnen, Geschichten zu erleben und Geschichten zu erzählen. Die ersten Geschichten hören wir von anderen, meistens von den Eltern. Damit erklären sie uns Zusammenhänge, Ursache/Wirkung und Bedeutungen. Irgendwann erzählen wir diese Geschichten dann selbst (vor allem uns selbst im inneren Dialog). Damit beginnt dann dieser andauernde selbsthypnotische Textstrom, mit dem wir unser Wirklichkeitskonstrukt aufrechterhalten. Dabei ist das Ganze so unendlich fragil! Wenn wir über Geschichten reden und darüber, dass diese praktisch immer dem selben Muster folgen, dann meine ich damit nicht die Gegenstände oder Ereignisse »da draußen«, sondern deren Abbild und Deutung im Gehirn. Und da ist es wirklich erstaunlich, wie das subjektive Erleben immer wieder dem selben Muster folgt. Mit diesem Muster meinen Sie die Heldenreise? Ja. Am bekanntesten und verbreitetsten ist da der Monomythos von Joseph Campbell. Campbell hat Jahre seines Lebens darauf verwendet, Mythen und Geschichten auf der ganzen Welt zu sammeln. Dabei fiel ihm auf, wie ähnlich sich diese Geschichten sind. Irgendwann hat er diese allgemeine Form beschrieben und nannte es den Monomythos, weil es der eine Mythos ist, der immer wieder erzählt wird. Deswegen heißt das Buch: Der Heros in tausend Gestalten.
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