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Storycode und die Heldenreise im eigenen Leben - Die Stationen der Heldenreise PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Stumpf   
Freitag, den 06. November 2009 um 13:45 Uhr

Können Sie die Stationen der Heldenreise kurz erläutern?

Es gibt verschiedene Varianten, die sich auch in der Anzahl der Stationen unterscheiden. Lassen Sie mich Ihnen eine Kurzform vorstellen: Es beginnt mit dem Helden in seiner vertrauten Umgebung. Der Held fühlt sich ganz wohl und denkt, eigentlich(!) sei doch alles in Ordnung. Dann kommt der Ruf des Abenteuers und der kommt immer unerwartet und unerwünscht, weswegen der Held dem Ruf normalerweise nicht folgen will. Nach einem mehr oder weniger langem Zögern macht er sich schließlich auf den Weg und überschreitet die erste Schwelle, den Punkt ohne Wiederkehr. Dann kommt die Phase von Abenteuern und Kämpfen, von Freunden  und Feinden. Im Film ist das der Hauptteil. Bei einem 90-Minuten-Film kann diese Phase durchaus 60 Minuten einnehmen. Doch irgendwann kommt der Held an den Punkt, den Campbell die tiefste Höhle nennt, den Punkt der Transformation. Hier geht es immer um Leben und Tod und fast immer setzt der Held sein Leben aufs Spiel. Doch natürlich kommt er durch! Wenn Helden sterben, dann nicht hier, sondern später. Nach der Transformation bekommt der Held das Elixier und tritt die Heimreise an (manchmal noch ausgeschmückt mit wilden Verfolgungsjagden). Schließlich kommt der Held nach Hause und bringt – in der Happy-End-Version – das Elixier zu den Daheimgebliebenen.

Und in dieser Abfolge sollen alle Ereignisse unseres Lebens stattfinden?

Jetzt müssen Sie zwischen den Ereignissen und deren (Be)Deutung unterscheiden! Natürlich weiß kein Mensch, was genau die Zukunft bringt und was genau morgen passiert. Andererseits schafft es auch kaum einer, mit gutem Gefühl in einer Welt zu leben, die er als sinnlos, chaotisch, ungeordnet und zufällig erlebt. Wahrsager hatten immer ihr Publikum – heute nennt man es halt »wissenschaftliche Prognose«.

Eine der beeindruckendsten Leistungen unseres Gehirns ist es, Muster zu erkennen. Wenn ich drei Punkte aufmale und Sie frage, was Sie sehen, dann sagen die meisten Menschen: ein Dreieck! Aber das Dreieck haben Sie selbst erschaffen, in »Wirklichkeit« sind da nur drei Punkte. Unser Gehirn erkennt Muster in der Außenwelt, die es selbst erschaffen hat. Wenn Sie diesen Prozess verstanden haben, dann ist die Antwort auf Ihre Frage ein klares Ja! Unser Leben und die Szenen unseres Lebens finden in der Form der Heldenreise statt - weil wir diese Form unbewusst selbst hinein bringen. Und wir bringen sie hinein, weil sie unserer eigenen Form entspricht.

Kennen Sie diese Experimente, wo man Babys, die nur ein paar Tage alt sind, Bilder von menschlichen Gesichtern zeigt? Diese Bilder sind sehr abstrakt, eigentlich nur zwei große Augen und ein lächelnder Mund – ein Smiley! Babys reagieren auf so etwas, weil sie »es« erkennen. Aber sie erkennen es nur, weil dieses Bild auch in ihnen ist. Ihr Hund könnte mit so einem Bild wohl nur sehr wenig anfangen.

Die Heldenreise ist in uns und deswegen finden wir sie außen, in den Ereignissen unseres Lebens.

Wenn dieses Muster wirklich so fest steht, wie Sie sagen, was bringt es mir dann, mich damit zu beschäftigen? Die Sachen werden doch in jedem Fall so stattfinden!

Hier gilt es, sehr klar zwischen zwei Ebenen zu unterscheiden, den »Dingen« und der Bedeutung, die wir diesen Dingen geben. Im Konstruktivismus nennt man das Wahrheit erster und zweiter Ordnung, im NLP sind das die unteren und oberen logischen Ebenen. Ich nenne es Plato und Zeus: Plato steht für Person, Location, Activity, Time und Object; Zeus für zusammenhängend, emotional, universal und sinnvoll.

Die Heldenreise als Form existiert nur auf der oberen Ebene – bei Zeus! Mit welchen konkreten Inhalten jede Station dieser Reise sich ereignet – da sind wir erstaunlich frei!

Die Form der Heldenreise ist so tief in uns eingeschrieben, dass wir eine Geschichte umso mehr glauben, je mehr sie dieser Form entspricht. Doch wie genau wir diese Form erfüllen, da haben wir erstaunlich viele Freiheiten. Bei der Frage, ob Sie diese Freiheiten nutzen oder an sich vorüber ziehen lassen, da entscheidet sich, ob Sie im Glück, oder im Unglück leben! Wenn Sie lieber im Glück leben, die Freiheit also voll ausnutzen wollen, dann lohnt es sich, den Monomythos virtuos zu beherrschen. Storycode hat seinen Namen daher, dass es der Code zur oberen Ebene (Zeus) ist. Mit dem Storycode können Sie Bedeutungen, Zusammenhänge oder Emotionen bewusst steuern.

Können Sie uns dafür Beispiele nennen?

Sehr gerne! Ein wichtiges Element einer Geschichte ist, wann sie beginnt und wann sie endet. Wenn Sie eine Geschichte ändern wollen ... das heißt: wenn Sie die Bedeutung ändern wollen, die bestimmte Dinge für Sie haben und dafür die Geschichte ändern wollen, die diese Bedeutung festlegt!, ... dann können Sie die Geschichte früher beginnen lassen (also die Vorgeschichte erzählen), oder Sie können die Geschichte weiter erzählen. Fast jeder kennt diese Techniken aus dem Alltag, wo wir sie unbewusst verwenden - leider meistens zum Negativen! Das mit der Fortsetzung heißt dann zum Beispiel: »Du wirst dich später darüber ärgern!« oder »in ein paar Jahren wirst du an mich denken und mir Recht geben!« Das sind Sätze, in denen uns jemand eine Fortsetzung unserer Lebensgeschichte »vorschlägt«, die wir akzeptieren oder ablehnen können.

So einfach ist das?

So einfach ist das! Allerdings muss einem die Struktur wirklich klar sein, sonst stochert man nur rum und bekommt Ergebnisse im Zufallsbereich.

Lassen Sie sich bitte von diesen einfachen, kurzen Sätzen nicht täuschen. Dahinter stehen jeweils ausführliche und große Heldengeschichten! Gerade weil uns deren Formen unbewusst so sehr vertraut sind, wirken diese lapidaren Sätze. »Du wirst dich später darüber ärgern« ist der klassische Plot vom Aufstieg und Niedergang. Wir haben diese Geschichte in großer Form schon oft gehört und im Kino gesehen. Heldengeschichten prägen! Wenn jemand diese Saite in uns zum klingen bringt, dann sagen wir unbewusst »stimmt, das kenne ich, so ist es, so wird es weitergehen!«



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