| Storymodelling - Was sind Geschichten? |
|
|
|
| Geschrieben von: Ralf Stumpf |
| Dienstag, den 27. Oktober 2009 um 10:12 Uhr |
|
Seite 2 von 6
Frage: Was verstehen Sie unter Geschichten? Ralf Stumpf: Geschichten sind unsere subjektive Art, die Wirklichkeit zu ordnen. Ich erkläre es gerne an einem einfachen Modell. Wir unterteilen »das Ganze« in zwei Ebenen: die untere Ebene nennen wir PLATO. Plato ist in diesem Fall Engländer und die Buchstaben stehen für Person, Location, Activity, Time und Object. Wenn es also um eine konkrete Person, einen konkreter Ort, eine Tätigkeit, einen Zeitpunkt oder einen Gegenstand geht, dann sind wir auf dieser unteren Ebene. Diese Ebene entspricht den unteren Ebenen im Modell der logischen Ebenen des NLP (Ebenen I bis III, bzw. VAKOG) und den Wahrheiten erster Ordnung des Konstruktivismus. Hier haben wir 100 % Inhalt und 0 % Bedeutung. Diese Ebene ist bedeutungslos, denn Bedeutung ist ausschließlich auf der oberen Ebene. Was auf der unteren Ebene ist, kann man darstellen, zeigen oder verfilmen. Wenn Sie einen Film drehen, können Sie mit dieser Liste zum Ausstatter gehen und ihn bitten, für die Sachen zu sorgen: eine Wiese, Sonnenaufgang, Vogelgezwitscher, ein Wurm im Gras.
Über Plato thront ZEUS und dessen Buchstaben stehen für zusammenhängend, emotional, universal und sinnvoll. Sätze auf dieser Ebene haben zwar keinen Inhalt, klingen aber sehr bedeutsam: »Ein frühzeitiger Markteintritt führt zu signifikanten Wettbewerbsvorteilen.« Wenn Sie mit diesem Satz zum Filmausstatter gehen und ihn bitten, das betreffende zu besorgen, ernten Sie bestenfalls einen ratlosen Blick. Diese Ebene entspricht den höheren logischen Ebenen des NLP (und dem Milton-Modell, denn dieses ist die Sprache der höheren logischen Ebenen!) und den Wahrheiten zweiter Ordnung des Konstruktivismus. Wenn Plato und Zeus sich treffen, dann fließt SEKT. Diese Buchstaben stehen für sinnvoll, emotional, konkret und typisch (archetypisch!) und das sind die Geschichten, die wir meinen. Geschichten verbinden beide Ebenen zu etwas Ganzem. Die Inhalte der unteren Ebene bekommen durch die Geschichte Sinn und Ordnung, die bedeutungsvollen Zusammenhänge der oberen Ebenen werden durch die Geschichte darstellbar: »Der frühe Vogel fängt den Wurm!« Mirela Ivanceanu: Die Geschichten, die wir meinen, bestehen in der Praxis meistens nur aus ein oder zwei Sätzen. So ein Satz stellt bestimmte Inhalte der unteren Ebene in einen emotionalen und der sinnvollen Zusammenhang. Es macht Klick und der Zuhörer nickt verstehend, weil der Satz zu seiner Geschichte passt. Vergleichen Sie die Sätze »Finanzberater tragen dicke goldene Uhren« und »Finanzberater züchten Nelken.« Beim ersten Satz nicken die meisten, denn dazu haben sie eine Geschichte und innerlich fließt S.E.K.T. Der zweite, eigentlich genauso gebaute Satz, ist Plato pur: kein Zusammenhang, keine Emotion (außer Verwirrung), nicht übertragbar und irgendwie sinnlos. (...) |




