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Storymodelling - Welche Rolle spielen Geschichten im Alltag einer Firma? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Stumpf   
Dienstag, den 27. Oktober 2009 um 10:12 Uhr


Welche Rolle spielen Geschichten im Alltag einer Firma?


MI: Die Firmenidentität entsteht an der Kaffeemaschine! Die vielen kleinen und großen Geschichten, die die Mitarbeiter sich erzählen, erschaffen die Wirklichkeit, in der dann alle leben.

RS: Wenn wir in eine Firma kommen, um dort zum Beispiel Storymodelling zu machen, dann ist es ja nicht so, dass dort bisher keine Geschichten erzählt werden. Im Gegenteil: es gibt eine riesengroße virtuelle Bibliothek mit Geschichten über die Firma, die Kollegen (auch ehemalige!), die Führung, die Kunden und so weiter ...

MI: Wir waren bei einem Filialleiter zum Storycoaching. Bevor er diese Filiale übernommen hatte, gab es drei Vorgänger in vier Jahren, die alle irgendwie unrühmlich gegangen sind. Wir haben ihm gesagt, dass es sehr wichtig wäre, diese Vorgeschichte gut zu erzählen, da sich sonst eine blöde Geschichte über seine Position verbreiten könnte. Systemisch gesehen gibt es die Position (Filialleiter) und die Person, die diese Position gerade ausfüllt. An der Position klebt sozusagen immer auch das Echo der gesamten Vorgeschichte. Doch dieser Filialleiter hielt wenig von der Idee und meinte, diese alten Geschichten wären doch längst vorbei und vergessen.

Nach dem Coaching standen wir noch vor seiner Bürotür, als zufällig ein Mitarbeiter vorbeikam, der seit knapp zwei Wochen dabei war. Den haben wir dann gefragt, ob er bereit wäre, uns zu erzählen, was er über die Vorgänger seines jetzigen Chefs wüsste. Der Mitarbeiter druckst ein bisschen herum, aber dann erzählt er doch erstaunlich viel über die drei Ex-Filialleiter. Das Beste dabei war der Gesichtsausdruck des jetzigen Filialleiters. Da konnte man richtig lesen: »Wenn der in so kurzer Zeit schon so viel über meine Vorgänger gehört hat, was hat man dem dann schon alles über mich erzählt ...?!"

Wenn dieser Filialleiter den neuen Mitarbeiter nach ein oder zwei Wochen zum Feedbackgespräch bittet, dann hat der neue schon so viele Geschichten über die Firma erfahren, dass alles, was der Filialleiter jetzt sagt, in diese Geschichten eingeordnet wird. Der neue Mitarbeiter ist bereits auf eine bestimmte Firmenidentität geprägt und es ist sehr schwer, das jetzt noch zu ändern. Deswegen ist es so außerordentlich wichtig, sich darum zu kümmern, welche Geschichten in der Firma erzählt werden.



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