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Theaterimprovisation PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Stumpf   
Montag, den 17. August 2009 um 15:00 Uhr
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Wären Sie ein guter König? Würden Sie Ihre Diener schnell sterben lassen?

Auf den ersten Blick scheint Theaterimprovisation weit weg zu sein vom Alltag der meisten Menschen. Doch kaum beginnt man mit den Spielen, lernt man sich und die Mitspieler ganz neu kennen und erfährt sehr viel über den Charakter der Menschen – zum Beispiel im Königsspiel.

In diesem beliebten Spiel ist einer der König und alle anderen sind seine Diener. Die Diener kommen einer nach dem anderen zum König, um ihm Vergnügen zu bereiten. Wenn ihnen das nicht gelingt, der König sich langweilt oder ihm das ganze einfach keinen Spaß macht, dann schnippt der König mit den Fingern und der Diener ist tot.

Schlechte Könige schnippen zu spät! Im Königsspiel zeigt sich der Charakter der Menschen. Die meisten sind zu nett und tun ihren Mitspielern damit keinen Gefallen.

Für die Diener ist es normalerweise ein Erfolg, 30 Sekunden zu überleben. Manchmal (bei einem wirklich guten und mutigen König!) stirbt ein Diener bereits auf dem Weg zum König: »Wie du schon kuckst!« Die Diener verstehen eigentlich immer, warum sie sterben mussten. Manchmal fragen sie sogar (nach ein oder zwei Minuten), warum sie noch immer nicht geschnippt wurden.

Am Anfang denkt man, der König sei in der Machtposition. Doch irgendwann bemerkt man, dass es genau umgekehrt ist: Wenn man das Königspiel lange genug spielt, dann wird man nicht mehr geschnippt. Dann hat man den König im Griff.

Im Königsspiel lernt man in Rekordzeit, andere Menschen zu »lesen«, zu verstehen wie diese ticken, was sie mögen und was sie nicht mögen. Im Alltag ist diese Fähigkeit unbezahlbar. Im Alltag schnippen die anderen Menschen nicht, sondern sie schalten einfach ab oder beenden das Gespräch unter einem Vorwand. Wenn Sie im Königsspiel geübt sind, dann können Sie so mit anderen Menschen umgehen, dass diese bereit sind dafür zu bezahlen, mit ihnen Zeit zu verbringen! (Es gibt eigentlich keinen Beruf, in dem diese Fähigkeit nicht Gold wert ist.)

Auch als König können Sie sehr viel über sich lernen, zum Beispiel warum Sie sich und andere über Ihre Gefühle belügen. Da sitzt man auf dem Thron, fühlt sich unwohl und schnippt nicht. Warum? Weil man nett sein will? Weil es so richtig schlimm ja noch nicht ist? Weil man in der nächsten Runde selbst Diener ist? - Egal warum: Sie fühlen sich unwohl, Sie könnten es ändern (mit einem Fingerschnippen!) und Sie ändern es nicht. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wenn man die Königsrolle ernst nimmt, merkt man manchmal (in der ersten Phase), dass einem eigentlich nichts Spaß macht von dem, was die anderen anbieten. Doch wenn man aus dieser Entdeckung keinen Selbstvorwurf macht, sondern ein Feedback für die Mitspieler, dann stellt man erstaunt fest, dass diese erstens sehr schnell lernen und zweitens einem wirklich Vergnügen bereitet wollen. Eine faszinierende Entdeckung, die vielleicht auch in Ihrem Alltag auf Sie wartet …?

Das Königsspiel ist ein wunderbares Beispiel für die Schätze, die in den Theatersportspielen auf einen warten. Diese Spiele bieten einen geschützten Rahmen, um bestimmte Aspekte von Verhalten, Emotionen und Miteinander zu erforschen. Die Spiele sind schnell und es gibt sehr viel zu lachen. Keith Johnstone, der Begründer des Theatersports, ist für mich die absolute Nummer eins darin, Spiele zu entwickeln, in denen man völlig angstfrei und mit sehr viel Spaß erstaunlich viel lernt.

Neben dem Königsspiel gibt es noch viele weitere Spiele im Seminar, zum Beispiel die berühmten Statusspiele, in denen man lernt, bewusst mit den Signalen zu arbeiten, mit denen wir blitzschnell Hierarchien festlegen. Oder »Alles gelingen lassen«: in diesem Spiel erleben Sie eine Welt, in der Ihnen wirklich alles gelingt, Sie wirklich immer Recht haben und Sie wirklich alles wissen. Letztendlich ist das das Paradies, doch die meisten Leute spüren anfangs Panik, wenn sie alle Verhaltensmuster loslassen sollen, mit denen sie sich normalerweise vor Ablehnung oder Irrtümern schützen. »Alles gelingen lassen« ist ein Spiel mit einer tief heilsamen Wirkung.

Wir bieten »Theaterimprovisation & Storytelling« noch einmal am 26. und 27. September an und würden uns sehr freuen, wenn Sie dabei sind.
 
(c) Ralf Stumpf Seminare | info@ralf-stumpf.de
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