Freude durch Kraft - Tony Robbins in Deutschland PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Stumpf   
Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 09:22 Uhr
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Ein persönlicher Seminarbericht von Ralf Stumpf,
erstmals veröffentlicht 2000 in der Zeitschrift MultiMind


 

Es war schrecklich. Es war laut. Es war voll. Es war miserabel organisiert.

Alle haben mich vorher gewarnt: Geht nicht hin! Es lohnt nicht! Eine Massenveranstaltung, eine Riesenabzocke. Ich habe es nicht glauben wollen. Typisch deutsche Kritiksucht! Ich wollte mich amüsieren, mich begeistern lassen, Spaß haben, Menschen kennenlernen ...

Am Samstag wollte ich nur noch weg, nur noch abreisen, aber ich konnte den Rückflug nicht umbuchen.

Zum Glück.

L50-Coachinglektionen


Vier Tage Anthony Robbins in Frankfurt vom 16. bis 19. Juni. Fast 4.000 Teilnehmer und 2.000 Mark Eintritt [Anm. 1]. Schon der Zeitplan ist ehrfurchtgebietend: Freitag von 18 Uhr bis 2 Uhr – ohne nennenswerte Pausen! Samstag von 9.30 bis 23 Uhr, Sonntag von 8.45 Uhr bis 1 Uhr, jeweils nur eine Stunde Pause. (Montag 10 Uhr bis 16 Uhr Videoshow zum Thema Gesundheit: Der Meister aus der Konserve.) Wie hält der Mann das aus? Wie halten die Teilnehmer das aus?

Die erste Überraschung: Er macht wirklich NLP. Er bringt ganz brav Grundtechniken, wie sie in jedem Practitioner-Training gelehrt werden. Und sogar ziemlich originalgetreu. Rapport, pacing/leading, Ankern, Submodalitäten, Change History, Time Line, Collapsing Anchors ... Und er erzählt, wie er NLP lernte. Bei John Grinder (gab es da nicht noch einen zweiten …?). Und wie er es sofort umsetzte und in die Welt ging und den Menschen ihre Phobien nahm. Wunderbar! Wie es im Buche steht – z.B. in seinem Buch von 1986.

Die zweite Überraschung: Es geht erstaunlich wenig um Reichtum, Erfolg, Ziele, Massensuggestion und Gehirnwäsche. Natürlich gibt es erwartungsgemäß die große Party: Musik (in Discolautstärke aus exzellenten Boxen. Die Bühnentechnik ist erstklassig!), Lichteffekte, Tanzen, Armehochreißen, wildfremde Menschen umarmen, Sitznachbarn massieren ... Wir sind in Deutschland. Da macht man halt mit. Da reißt man halt auch die Arme hoch, wenn alle die Arme hochreißen. Da ruft man halt »Yes!« und »I!", wenn der Meister »Say Yes!« oder »Say I!« fordert. Da begrüßt man halt beim Reinkommen die Staff-Leute mit dem Siegerhandschlag über dem Kopf: GIVE ME A FIVE! Man darf dabei allerdings nicht zu genau in die Gesichter schauen. Von Begeisterung ist da wenig zu sehen; statt Freude eher Anstrengung und Müdigkeit. Manche wirken auch leicht genervt. Die erwartete Massenhypnose bleibt also erst mal aus. Dafür machen Gerüchte die Runde, Tony hätte sich angeblich drei Rippen gebrochen. Oder wenigstens angeknackst. Toll, wie der das durchhält! Für eine Millionengage würde das allerdings manch anderer auch gerne durchhalten ... Die Stimmung bei Staff und Veranstalter schwankt zwischen angestrengter Fröhlichkeit und offener Gereiztheit. Die Rahmenorganisation macht es einem auch wirklich allzu leicht, herumzunölen ...

 

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