| Freude durch Kraft - Tony Robbins in Deutschland - Feuerlauf am ersten Tag |
|
|
|
| Geschrieben von: Ralf Stumpf | |||||||
| Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 09:22 Uhr | |||||||
|
Seite 2 von 5
Ich war während der Veranstaltung oft draußen. Draußen traf man die Skeptischen, die Frustrierten, die Nachdenklichen, die Kritiker. Draußen traf man auch viele, die einfach enttäuscht waren. Denn immerhin handelte es sich um Anthony Robbins! Eine lebende Legende! Mr. Personal Power, der erfolgreichste Coach der Welt, NLP-Urgestein ... Denn der Mann sieht gut aus, ist sexy, strahlend, groß (2 m), muskulös, er kann sich bewegen, kann tanzen, rappen, mit 4.000 Menschen gleichzeitig flirten, kann toll Geschichten erzählen, mit seiner Stimme verzaubern ... ... und dann stellt der sich hin, lächelt breit und unverschämt und erzählt genau die selben alten Geschichten, die er vor 14 Jahren in seinem – wunderbaren – Buch erzählt. Wortwörtlich! Ja, hat der denn seit dieser Zeit nichts mehr erlebt? Niemanden mehr gecoacht? Keinen mehr getroffen? Was bekommt der überhaupt noch mit von seiner Umwelt, von seiner Wirkung, von seinen Teilnehmern? Ich habe intensiv Kontakte geknüpft und nach Leuten Ausschau gehalten, die wirklich begeistert waren. Und ich habe noch auf keinem Seminar ein so nettes, offenes, sympathisches (und erstaunlich junges) Publikum getroffen. Jeder war gesprächsbereit, jeder wurde zur Ressource. Und – dies sei jetzt hier ganz klar gesagt: Viele waren wirklich begeistert! Dabei fiel mir allerdings auf, dass es verschiedene Gruppen gab. Zuerst einmal waren erstaunlich viele Wiederholer da [Anm. 2]. Manche hatten das Seminar schon drei-, vier-, fünfmal besucht: begeistert! Viele kamen in Gruppen und wurden vorbereitet, betreut und nachbereitet: begeistert! Und zahlreiche gestandene NLPler waren (zum ersten Mal) da, von denen einige sehr zurückhaltend gestimmt waren. Und andere waren ganz neu und wussten gar nicht, was NLP ist. Die fanden es mal so, mal so. Freitag also der Feuerlauf. Er beginnt mit dem Höhepunkt? Nein. Er erzählt uns, dass das ja schließlich kein Feuerlaufseminar sei. Es sei in Wirklichkeit ein Kommunikationstraining. Der Feuerlauf sei nur die Metapher – das eigentliche Thema ist Angst. »Was uns zurückhält, ist Angst. Was uns befreit, ist Mut.« [Anm. 3] Also sechs Stunden Vorbereitung auf den Feuerlauf in allen Details: Wie man sich hinstellt (kraftvoll!), wie man guckt (nach oben!), wie man atmet (kräftig!), was man tut (den Power-Anker abfeuern!), wie man schließlich läuft (fest, kraftvoll, langsam! LANGSAM!!), was man dabei sagt (cool moss cool moss cool moss ...!), was man danach tut (jubeln, aus Leibeskräften! Und sich vom Staff die Füße abspritzen lassen). Stundenlanges Bangemachen: Es sollen schon Menschen beim Feuerlauf gestorben sein. Es gab schwere Verbrennungen. Aber gottseidank: nicht bei Tony! Bei ihm sind schon 750.000 Menschen übers Feuer gelaufen, Kinder und Greise, alle haben es geschafft. Die paar, die sich verbrannt haben, haben sich nicht an die Vorschriften (s.o.) gehalten. (Wenn ich hier schon gewusst hätte, wie viele Leute ich am nächsten Tag treffen würde, die sich wirklich die Füße verbrannt haben ...!) Plötzlich treibt er den ganzen Saal auf den Hof: FIREWALK! – Doch: Falscher Alarm. Wir sehen nur die Scheiterhaufen lodern. »Heute Nacht werdet ihr wieder hier sein. Es wird dunkel sein. Ihr werdet über das Feuer gehen." Man unterhält sich. Jeder hat so seine eigenen Theorien. Man berühre die Kohlen nur Zehntelsekunden. Kohle sei ein schlechter Wärmeleiter. Man müsse vorher durch eine Pfütze gehen, und das Wasser isoliere. – Als es dann um 1 Uhr wirklich ans Laufen geht, sind diese Theorien allerdings nicht mehr viel wert ... Tony putscht die Massen sechs Stunden lang hoch, dann ist es soweit. 4.000 Menschen ziehen ihre Schuhe aus und gehen (nichts für Fußpilzphobiker) festen Schrittes, rhythmisch klatschend aus der Halle in den Hof, wo die Kohlen glühen. Und stellen sich an. Und warten. Und stehen noch immer an. Und stampfen und klatschen. Und warten weiter. Und stecken sich ein Zigarettchen an, warten, plaudern mit dem Nachbarn und versuchen eigentlich, diesen powervollen Peak-State zu halten. Und plötzlich steht man vor dem Kohlenbett, wird links und rechts von zwei Staff-Leuten instruiert, den Blick nach oben gelenkt, über die Kohlen geschubst, hinterher abgespritzt ... und fragt sich: War's das jetzt? Ich habe viele Menschen getroffen, die danach noch mal drüber mussten, weil sie es einfach nicht glauben konnten, dass das jetzt der Feuerlauf gewesen sei sollte. Einer hat sich beim gründlichen Nochmaldrüberlaufen die Füße verbrannt ... Kleiner Tipp für Ihren nächsten Feuerlauf: Gehen Sie nicht gerade, wenn die Kohlen frisch aufgelegt worden sind. Denn da ist die Chance, sich zu verbrennen, deutlich höher. [ Nächste Seite: Die Türen werden geschlossen ... ]
|




