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Freude durch Kraft - Tony Robbins in Deutschland - Und nun zur Werbung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Stumpf   
Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 09:22 Uhr

Eine individuelle Betreuung der Teilnehmer findet nicht statt. Angeblich sitzen seine Trainer (10 bis 20) im Publikum. Man könne auch eine kostenlose Momentum-Session buchen, ein Coaching per Telefon. Ich habe Menschen erlebt, die während des Seminars in sehr schlechte Zustände gegangen sind. Manche davon waren nach dem Seminar noch Tage und Wochen in diesen Zuständen und kamen aus eigener Kraft nicht heraus. Es ist wohl so, dass man sich entweder darauf einlässt und es aushält – oder eben nicht. In letzerem Fall ist man dann entweder nur enttäuscht oder ziemlich schlecht drauf. Aber jeder musste ja vorher unterschreiben, dass ihm voll bewusst sei, dass dieses Seminar zu psychischen und physischen Schäden führen kann und man die Tony Robbins Company von allen Haftungsansprüchen befreit.

Der Massen-Swish, Gottesdienst, Change History: Um an die Grenzen zu gehen und Muster zu durchbrechen, müssen wir stehen. Stundenlang. Und die fünf einschränkendsten Glaubenssätze notieren, zusammen mit den daraus folgenden negativen Konsequenzen. Dann wird das Licht gelöscht, und Tony beginnt mit einer Trance. Er verstärkt mehr und mehr die schrecklichen Konsequenzen, er intensiviert die Emotionen, er projiziert das Grauen in die Zukunft – fünf Jahre, zehn Jahre, zwanzig Jahre –, und er ruft: »Schreit euren Schmerz heraus, laut!« Und der Saal verwandelte sich mehr und mehr in einen Hexenkessel voll Seufzen und Stöhnen. Tony fragt: »Wollt ihr das haben?« Und 4.000 Kehlen schreien »Nein!". Dann folgte eine Stelle, deren Charme man sich nur schwer entziehen kann: Mit den Fingern tief in den (eigenen) Nasenlöchern soll man mit ernster Stimme die einschränkenden Glaubenssätze vortragen, sich dann »Scheiße!« brüllend auf die Brust schlagen und, die Faust gen Himmel gereckt, »Die Wahrheit ist: ...!« rufen und neue Glaubenssätze erschaffen. (Falls Sie also mal 4.000 Menschen beim Nasebohren zusehen wollen ...) Ich habe noch nie eine so freche Art erlebt, Glaubenssätze zu verändern, herrlich!

Anschließend gibt es noch eine wirklich gut gemachte Reise über die eigene Time Line, mit Veränderung einschränkender biographischer Erlebnisse und dem Erschaffen einer strahlenden Zukunft. Die Stimmung wird immer religiöser, die Saaldecke erstrahlt in blauem Lichte, Gospels und Orgelklänge ertönen, Gott segnet uns, und wir sprechen ein Gebet. Wunderbar, wenn man so was mag. Anschließend ist Pause, dann Werbung. Für den Mastery-Kurs, $ 20.000, für Sofortbucher nur die Hälfte.

Übrigens hat Robbins auch das Thema Hitler angesprochen. Wenn 4.000 Menschen den rechten Arm heben und »I!« rufen, liegt dieses Thema in Deutschland ja auch irgendwie nahe. Jedenfalls meinte er, wir sollten uns nicht zu sehr davon einschränken lassen, dass da vor fünfzig Jahren mal einer zu viel Macht hatte ... Als Amerikaner kann man das so sagen. Als Deutscher hat man eine kollektive Biographie, in der es sehr ungünstige Referenzerfahrungen zum Thema »ekstatische Emotionen großer Massen« gibt. Tony war zum ersten Mal in Deutschland und hat den Seminarablauf wohl auch der deutschen Befindlichkeit angepasst. Wenn Sie befürchten, inmitten von Tausenden von Menschen einer Massenhysterie zu erliegen, dann bedenken Sie, dass es gerade auch in solch großen Gruppen sehr einfach ist, sich zu dissoziieren. Vor allem bei so wenig Pacing.

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