Das große NLP-Interview

Ralf Stumpf und Mirela Ivanceanu über NLP

Interview vom Oktober 2009

Frage: Ralf, Du machst jetzt seit über 20 Jahren NLP – ist es Dir kein bisschen langweilig geworden?

Ralf Stumpf: Nein, im Gegenteil. NLP gehört glücklicherweise zu den Künsten, die umso spannender werden, je länger man sich damit beschäftigt. Das NLP, dass ich heute mache, ist sehr verschieden von dem, womit ich 1986 begonnen habe.

Was sind die wichtigsten Unterschiede?

Mein NLP ist sehr viel einfacher und praktischer geworden. Mir geht es darum, dass NLP so eine Art Zusatzmodul im Alltag ist, ein kleines, hilfreiches Programm, welches immer mitläuft und das Leben leichter macht. Ein Upgrade!

Als ich mit NLP anfing, war das ganze doch sehr auf Therapie oder Coaching bezogen. NLP machte man in Sitzungen, die normalerweise eine Stunde dauerten. Im täglichen Einsatz nutzte man vielleicht die Kommunikationstechniken – aber das war es dann auch schon.

Mirela Ivanceanu: Ich habe vor ein paar Jahren eine Studie gemacht und NLPler befragt, inwieweit sie NLP in ihrem Alltag einsetzen. Das Ergebnis: Fast gar nicht! Viele waren überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass man NLP auch mit sich selbst machen kann. Die hatten die Techniken im Training so kennen gelernt, dass einer den anderen ›behandelt‹ – und dabei blieb es. Dabei lassen sich alle NLP-Techniken mit sich selbst machen und – wenn man es geübt hat – brauchen nicht mehr, als ein paar Minuten.

Man nennt NLP ja auch das Schweizer Messer der Psychotherapie – ist es das was Ihr meint?

In dieser Formulierung steckt bereits der Konflikt: Schweizer Messer ist ein toller Vergleich. Es ist einfach, praktisch, alltagstauglich, robust – großartig! Aber warum Psychotherapie?

Ja, als NLP in den siebziger Jahren auf den Markt kam, war es, verglichen mit den damaligen Psychotherapiemethoden, der Hammer! Schnell, einfach, humorvoll, zielorientiert. Für eine Therapiemethode war NLP revolutionär. Doch unsere Kunden heute brauchen keine Therapie, die brauchen was fürs Leben, für den Alltag, für jederzeit.

Schweizer Messer ja, Psychotherapie nein! In der NLP-Szene gibt es mit der NLPt, der Neuro-linguistischen Psychotherapie inzwischen eine eigenen Therapiemethode und damit ist das Thema für uns abgehakt!

Deine Formulierung mit dem Upgrade fürs Leben gefällt mir, was soll ich mir darunter vorstellen?

Wenn Du Dir bewusst machst, welche enorme Leistung Dein Gehirn in jedem Augenblick vollbringt, um das herzustellen, was Du die Wirklichkeit nennst, wirst Du aus dem Staunen nicht mehr herauskommen! Die Welt, in der Du lebst, hast Du selbst erschaffen. Und, ohne Dir zu nahe zu treten: vielleicht ist das noch nicht die beste aller möglichen Welten? Vielleicht ist da mehr drin? Vielleicht könnten Deine Mitmenschen ein bisschen netter sein, Deine Zukunft ein bisschen mehr leuchten, Deine Stimmung noch sonniger sein, Deine Qualitäten mehr strahlen, Deine Beziehungen glücklicher sein …?

Ja, das klingt gut – wo kann ich das bestellen?

Bei Dir selbst, innen drin!

Die Grundidee ist eigentlich sehr alt und unter vielen Namen bekannt: Projektion, selbsterfüllende Vorhersagen, Gesetz der Anziehung. Die Konstruktivisten nennen es Konstrukt, die Hindus nennen es Maja und im Film heißt es die Matrix. Im NLP nennt man es das Modell der Welt oder die Landkarte.

Es geht immer darum, dass wir die Wirklichkeit nicht objektiv und vollständig wahrnehmen können, sondern nur in subjektiven Ausschnitten, aus denen wir uns unsere eigene Wirklichkeit formen.

Das meiste davon lernen wir unbewusst als Kinder, wenn man uns diese ganzen Glaubenssätze, Werte und Bewertungen beibringt – über die Welt und über uns selbst. Unsere Eltern tun da das beste, was sie können. Manche Prägungen sind wunderbar und extrem hilfreich, manche so-la-la und manche machen einem das Leben zur Hölle. Aber in jedem Fall lautet die gute Nachricht: Du kannst es ändern!

Soweit ich weiß ist es genau das, wofür Ihr inzwischen Storycode anbietet?

Ja, Storycode ist die Verbindung von NLP und Storytelling. Mit Storycode können wir die Programme deutlich schneller, umfassender und effektiver ändern. Und dabei ist NLP eben ein essenziell wichtiger Teil, die halbe Miete sozusagen. Ohne NLP würde es nicht funktionieren, weil NLP die Klarheit und die Struktur bringt, um mit dieser großen Macht, die Geschichten haben, sorgfältig und bewusst umzugehen.

Zu erleben, wie Ralf mit Geschichten arbeitet, ist gleichzeitig faszinierend und frustrierend. Faszinierend ist zu sehen, wie sich da bei den Leuten in kurzer Zeit die Geschichte ändert und damit das ganze Leben. Der Frust kommt, wenn man es nachmachen will und feststellt, dass das ganze ziemlich komplex ist. NLP ist die unverzichtbare Grundlage, auf der diese virtuoser Arbeit mit Geschichten aufbaut.

Warum bietet Ihr keine kombinierte NLP und Storytelling-Ausbildung an?

Wir haben es gemacht, aber es hat sich nicht bewährt. Zum einen kommen sehr viele Teilnehmer zu uns, die bereits eine komplette NLP-Ausbildung absolviert haben. Für die wäre es sehr zeitaufwändig, wenn sie den NLP-Teil noch einmal vollständig besuchen müssten.

Zum anderen ist eine NLP-Practitioner-Ausbildung nach den Standards des DVNLP eine anerkannte Weiterbildung und eine sehr geschätzte Qualifikation. Warum sollten wir unseren Kunden diesen Titel vorenthalten?

Das heißt, dass Ihr neben Eueren Storytelling-Seminaren auch eine ganz klassische NLP-Ausbildung anbietet?

So klassisch ist die auch wieder nicht. Wie gesagt: Wir wollen NLP alltagstauglich vermitteln und nicht so sehr als Therapie- oder Coaching-Werkzeug. Unsere Idee ist, dass jemand bei uns NLP lernt und es danach jeden Tag einsetzt – und damit meinen wir jeden Tag, am besten mehrmals!

NLP ist eigentlich eine Sprache, das haben Bandler und Grinder in ihrem allerersten Buch schon so geschrieben. Die NLP-Ausbildung ist sozusagen ein Sprachkurs, nur lernst Du halt nicht Französisch, sondern NLP. Wie bei jeder Sprache lernt man Worte und eine Grammatik, um sich dann damit frei auszudrücken und zu kommunizieren. Niemand käme auf die absurde Idee, hinterher nur und ausschließlich die Sätze zu verwenden, die er im Sprachkurs gelernt hat. Diese Sätze waren Beispiele, Möglichkeiten!

Es geht uns weniger darum, dass die Leute bestimmte Formate auswendig lernen. Die NLP-Formate in der Ausbildung sind Beispielsätze, Möglichkeiten! An den Formaten lernt man die Bausteine des NLP und wie man sie sinnvoll verknüpft. Wer das verstanden hat, kann dann eigenen ›Sätze‹ bilden.

Das verstehe ich nicht. Wenn ich Englisch oder Französisch kann, dann kann ich damit ungefähr das gleiche ausdrücken, wie auf Deutsch. Aber wie sagt man »Guten Morgen« auf NLP?

(lacht) Die Idee gefällt mir! Aber natürlich hast Du Recht: NLP ist die Sprache, in der man formulieren kann, wie Menschen funktionieren. Das geht vom Verhalten, über Überzeugungen bis hin zum Selbstbild und zur Spiritualität. Mit NLP kann man das ganze beschreiben, analysieren, verstehen – und auch verändern oder übertragen (das heißt lernen und Lehren).

Mit NLP kannst Du zum Beispiel beschreiben, wie Du Dich in bestimmten Situationen verhältst und warum. Wenn das ein tolles Verhalten ist, kannst Du NLP nutzen, um dieses Verhalten auch in anderen Situationen einzusetzen oder um es anderen Menschen beizubringen. Wenn es kein so tolles Verhalten ist, findest Du mit NLP bessere Möglichkeiten und kannst das Verhalten ändern.

Das gleiche funktioniert auch ein paar Nummern größer, nehmen wir zum Beispiel die persönlichen Stärken (eines meiner Lieblingsthemen). Mit der NLP-Sprache kann man erst einmal vernünftig beschreiben, was Stärken eigentlich sind. Dann kann man eigene Stärken finden, man kann sie viel besser einsetzen und man lernt, sie zu vermarkten, das heißt auf eine gute Art darüber zu sprechen.

Das sind alles Sachen, die man wirklich jeden Tag gebrauchen kann. Und wir haben noch nicht von Kommunikation und Interaktion gesprochen, also von den Beziehungen! Mit wie vielen Menschen hast Du jeden Tag zu tun? Und wie viele dieser Begegnungen tragen wirklich zu Deinem Glück bei? – Die meisten Menschen erleben es jeden Tag, dass sie selbst gerne anders wären oder sie wünschen sich, dass die anderen anders wären.

Stell Dir einfach Deinen normalen Tagesablauf vor und frage Dich, wo Du Dich überall über ein Upgrade freuen würdest. Vielleicht willst Du schon in bessere Stimmung aufstehen, morgens mehr Spaß haben, mit den Kollegen und Kunden freundlichere Gespräche erleben, mit Stress und den üblichen Katastrophen des Alltags cooler umgehen, mit Deiner Frau …

… oder Deinem Mann!

… eine (noch) leidenschaftlichere Beziehung führen, usw.!

Wenn man erst einmal anfängt, sich dieses Upgrade vorzustellen, wenn man einfach mal so tut, als ob es die ständig erreichbare interne 24-h-Servicehotline für ein glückliches Leben wirklich gäbe … also bei mir sprudelnden dann die Ideen! Stell Dir vor, Du hättest einen exzellenten NLPler eingebaut, der immer für Dich da ist …

… einen Personal-NLP-Assistant sozusagen …

… oder einen NLP-Djini, den Ressourcengeist aus der Wunderlampe!

O.k., o.k., ich glaube, ich habe es verstanden!

Es ist einfach eine fürchterliche Verschwendung, viel Zeit und Geld in eine NLP-Ausbildung zu investieren, wenn man diese tollen Werkzeuge dann später einfach ungenutzt herumliegen lässt!

Wie läuft denn bei euch die Ausbildung ab?

Wir bieten eine modulare Ausbildung an, zehn Wochenenden über ein Jahr verteilt, Du kannst jeden Monat einsteigen.

Das Training selbst ist zum größten Teil praktisch: üben, üben, üben!

Wir haben die meisten klassischen NLP-Formate neu designt. Bei uns lernt man jetzt jedes Format zur Selbstanwendung und im Smalltalk.

Im Smalltalk …?

In einem ganz normalen Gespräch. Alle NLP-Formate kann man in normalen Gesprächen verwenden – aber natürlich nicht in der selben Form, wie man sie im Coaching einsetzen würde.

Wie Du weißt, sind wir leidenschaftliche Geschichtenerzähler. Es wird also auch oft darum gehen, wie man die NLP-Formate ganz nebenbei in alltägliche Geschichten einbaut.

Haben wir das Wort ›alltagstauglich‹ schon verwendet? Ja? Mehrfach? – Man kann es einfach nicht oft genug sagen: alltagstauglich!

Das NLP-Format »Change History« ist zum Beispiel die häufig gewünschte »Rückgängig-Funktion« für den Alltag.

Die Undo-Taste, Steuerung+Z!

Man macht etwas und denkt sich gleich danach: »Mist! Hätte ich doch nicht!« – Und dann macht man ein Change History, und man hat nicht.

Na ja, man hat schon, aber man spart sich die Konsequenzen. In einfachen Fällen reicht manchmal schon ein »lassen Sie mich es anders formulieren« oder ein »das machen wir einfach noch einmal!«

Ja, diese Sätze enthalten im Prinzip ein vollständiges Change History – wenn man weiß wie es geht, wenn man also das zu Grunde liegende Format im Training bewusst erfahren hat.

So arbeiten wir: Wir machen die Formate zuerst ganz plakativ, Schritt für Schritt, und dann spielen wir damit, beschleunigen das ganze und lernen, unter dem Radar zu fliegen …

… das heißt, verdeckt zu arbeiten.

Das heißt, man bekommt bei euch schon das gesamte NLP …

Wir arbeiten nach dem offiziellen Curriculum des DVNLP.

Es gibt NLP für Lehrer, NLP für Heilberufe, NLP für den Verkauf – wir machen eben NLP fürs Leben! Das ganze NLP, angewandt auf das ganz normale Leben, 365/24!

Die Techniken, die wir vermitteln, funktionieren natürlich genauso im Coaching oder in persönlichen Krisensituationen. Wenn man aber NLP in den Alltag integriert, dann gibt es deutlich weniger Krisen und man braucht vielleicht gar kein Coaching mehr.

Zum Schluss noch eine Frage: Ihr macht so lange NLP – was hat es in Eurem eigenen Leben geändert?

Du meinst, abgesehen davon, dass ich es zum Beruf gemacht habe und seit 20 Jahren mit Leidenschaft jeden Tag anwende?

Allgemein gesagt ist NLP das, womit ich meine erwünschte Wirklichkeit erschaffe – was mir jeden Tag ein bisschen besser gelingt! Konkret heißt es, dass ich mit NLP meine Stimmungen und Emotionen gut lenken kann.

NLP ist für mich der Weg, das Leben zu leben, welches mir entspricht und in dem ich mich wohl fühle. Das beginnt ganz simpel bei der alltäglichen Lebensführung: Ich arbeite selbstständig und kann mir meine Zeit sehr frei einteilen.

Durch NLP wurden mir meine Qualitäten überhaupt erst so bewusst, dass ich mein Leben danach gestalten konnte.

Solange Du noch nicht weißt, ob Du ein Löwe oder ein Eisbär bist, ist es schwer zu sagen, ob Du Dich eher in der Savanne, oder eher am Nordpol wohl fühlen würdest.

Die eigenen Qualitäten zu erkennen und sie zu leben – das ist für mich das wichtigste.

Seit ich Mutter bin, ist für mich noch einmal ein riesengroßer Teil dazugekommen. Bei meiner Tochter bin ich jeden Tag froh, dass ich NLP kann und bewusst mitbekomme, was ich bei ihr präge. Außerdem bringt einen so ein Kind mit erstaunlicher Leichtigkeit jeden Tag an seine persönlichen Grenzen! Und da bin ich wirklich sehr froh, dass ich Werkzeuge habe, mit denen ich mir dann sofort meine eigene Geschichte bewusst machen kann, sie neu schreiben kann und dadurch in der Gegenwart ganz andere Möglichkeiten habe, als es zum Beispiel unsere Eltern hatten. Mein Kind profitiert davon, selbstverständlich, aber ich habe mindestens genauso viel davon.

Upgrade your life! First Class statt Economy! Der Unterschied besteht aus vielen Kleinigkeiten, vielen kleinen Annehmlichkeiten, die das Leben schöner, einfacher, komfortabler und luxuriöser machen.

So, als ob der Beleuchter und der Ausstatter und vor allem auch der Drehbuchschreiber Deines Lebens einen wirklich guten Tag hätten! Es passt, Du fühlst Dich wohl und Du genießt es einfach.

NLP zu lernen ist eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.