Die Heldenreise im NLP

Unser Newsletter vom 18. Februar 2015

Am Beginn meiner eigenen NLP-Ausbildung gab es einen Schlüsselmoment, der meinen NLP-Weg sehr geprägt hat. Bei mir war es so, dass ich gute Gründe hatte, NLP zu lernen: ich wollte in meinem Leben viel verändern. Gleichzeitig war ich aber immer sehr ›zurückhaltend‹, wenn jemand an mir herumschrauben wollte. Genauer gesagt mochte ich das gar nicht. Dadurch war ich in einem Konflikt: Ich wollte mich ändern, konnte es aber nicht so richtig – und es war mir auch nicht Recht, wenn andere mich ändern wollten.

Deswegen war es für mich eine Offenbarung, als mein Trainer mir die dritte Möglichkeit nannte: »Lass Dir zeigen, wie Du Dich selbst verändern kannst!« Auf dieses Versprechen hatte ich gewartet und wenn NLP dafür das Werkzeug war, dann war mir klar: Ich mache die NLP-Ausbildung!

Ich fing sofort damit an und meine NLP-Ausbildung war wirklich großartig. Doch gut zwei Jahre später war ich NLP-Trainer und musste erkennen, dass ich teilweise eine Mogelpackung gekauft hatte, denn wir hatten kaum etwas darüber gelernt, wie man die Techniken mit sich selbst einsetzt.

Es war vielmehr so, dass wir fast immer in einem therapeutischen Setting arbeiteten, wo es einen ›Anwender‹ gab (= Therapeut, Berater, Coach), einen ›Beobachter‹ und einen ›Clienten‹: A, B und C! Und die Formate und Demos waren auch alle so dramatisch und emotional, dass keiner auf die Idee gekommen wäre, so was mit sich alleine zu machen.

Keiner – außer mir. Denn ich war ja genau dafür da, um zu lernen, die Sachen mit mir selbst zu machen.

Also musste ich improvisieren. Ich habe damals jeden Tag mit mir selbst NLP gemacht, was mit den ABC-Formaten gar nicht so einfach war. Aber anders konnte ich es ja nicht! Also habe ich zum Beispiel mit mir in verteilten Rollen gearbeitete. Das sah bestimmt seltsam aus: ich in meiner Wohnung im Wedding, zwei Stühle im Wohnzimmer und ich immer abwechselnd auf dem einen als ›Client‹ und auf dem anderen als ›Anwender‹ – und manchmal sogar auf einer dritten Position als ›Beobachter‹, um mir selbst Manöverkritik zu geben. Das war sehr umständlich und zeitaufwendig, aber ich kam voran!

Oder halb in Trance: da habe ich mir auf Audio-Kassette (mp3 gab es noch nicht) die Fragen und Anweisungen des Therapeuten gesprochen und mich dann auditiv durch ein Format geführt. Häufig musste ich die Pausentaste drücken, weil ich die Zeit falsch eingeschätzt hatte, aber auch das war ein gangbarer Weg.

Ich habe von Anfang an viel Zeit mit NLP verbracht: ich habe an der Ausbildung teilgenommen, ich habe viel gelesen, ich habe mit mir gearbeitet und ich habe viel gecoacht. Ich habe wirklich jeden Tag NLP gemacht. Dadurch passierte irgendwann etwas interessantes: Ich habe NLP verinnerlicht. ›Etwas‹ in mir fing plötzlich an, von selbst ›NLP zu machen‹. Mir ging zum Beispiel etwas schief, und ›es‹ startete ein automatisches Change History. Oder ich hatte ein Wehwehchen und ›etwas‹ in mir fing einen Six-Step-Dialog an. Das war verwirrend – und cool!

Mit der Zeit kam ich drauf, dass ›NLP mit sich selbst machen‹ weniger bedeutet, dass man sich durch Formate führt. Es ist vielmehr eine Lebensweise.

Mein Hauptinteresse galt ja von Anfang an dem Modelling. Deswegen hatte ich schon immer einen besonders wachen Blick für die Strukturen, für die Fragen nach dem ›Wie‹: Wie geschieht Veränderung, wie funktioniert dieses Format, wie genau funktioniert es, wo genau ist die Stelle, wo es ›klick‹ macht und wie genau funktioniert an dieser Stelle die Veränderung? Im Grunde habe ich damals mit dem NLP das gemacht, was Bandler und Grinder mit den Methoden von Fritz Perls, Virginia Satir und Milton Erickson gemacht haben: Ich wollte herausfinden, wodurch genau die Veränderung geschieht – und den Rest weglassen. Ich habe das NLP auf sich selbst angewandt.

Dadurch merkte ich ziemlich schnell, dass ich dieses ABC-Setting weglassen konnte. Nachdem ich jeweils zum Kern der Formate durchgedrungen war, war diese ›Essenz‹ der Formate unabhängig von der Form oder dem Setting. Es ist dann egal, ob man ein Format im Dialog durchführt oder in Trance oder als Fantasiereise oder als Geschichte oder im Selbstcoaching oder auf Bodenankern oder im Smalltalk oder im inneren Dialog oder in Gedanken oder als Lesetext. Entscheidend ist die Essenz, die Stelle der Veränderung, der ›Klick‹!

Ich habe daraufhin in der NLP-Ausbildung, die ich damals gegeben habe, vor allem diese Essenzen der Formate vermittelt – und die Teilnehmer damit komplett verwirrt und überfordert! Anstatt zum Beispiel ›das‹ Change History zu lehren, erklärte ich ihnen die Essenz von Change History und zeigte Anwendungsvarianten im Coaching, im Selbstcoaching, im Smalltalk, in Trance und im Storytelling. Hinterher wusste keiner, wie es geht. Ich hatte übersehen, dass man manchmal ein Ergebnis nicht einfach so übernehmen kann, sondern auch den Weg zu diesem Ergebnis gehen muss – Schritt für Schritt.

Deswegen mache ich es heute so, dass es im Practitioner, also der ersten Stufe der NLP-Ausbildung, die Formate in einer eindeutigen Version gibt: normalerweise eine Version für ein normales, offenes Gespräch – also ungefähr in der Mitte zwischen ›Therapie/Coaching‹ auf der einen Seite und ›verdeckt im Smalltalk‹ auf der anderen Seite. Häufig weise ich noch darauf hin, wie man das Format mit sich selbst machen kann und manchmal gibt’s noch ein Beispiel für das Format im Smalltalk.

Aber das ganze ist für mich nur der erste Schritt auf einem Weg zu einem viel spannenderen Ziel …

Im Master (der zweiten NLP-Stufe) lege ich dann schon viel mehr Wert darauf, wie man die Formate mit sich alleine macht (vor allem Innendrin, im inneren Dialog) und wie man sie im Smalltalk macht.

Und in der Trainer-Stufe, da bringe ich den Menschen das bei, was mir am wichtigsten und wertvollsten ist: die Essenz der Formate, den verborgenen Code des NLP. Mit diesem Code können sie dann ihre eigenen NLP-Formate maßanfertigen, für ihr Selbstcoaching, fürs Coaching, für Beratung, für ›normale‹ Gespräche – und in jeder beliebigen Form.

Gleichzeitig ist das ganze auch der Weg, wie ich Modelling lehre: Es beginnt mit den Formaten im Practitioner, die ja jeweils das Endergebnis eines Modellings sind (meistens eines Modellings von Bandler und Grinder). Alle diese Formate sind Beispielsätze in der Sprache NLP und die Teilnehmer lernen dadurch ganz nebenbei und unbewusst diese Sprache zu sprechen, sie lernen die Vokabeln und die Grammatik. Im Master weise ich dann mehr und mehr auf diese Vokabeln und diese Grammatik hin und im Trainer geht es dann darum, ganz eigene Sätze in dieser Sprache der Veränderung zu formulieren.

Wenn man ein Modelling macht, dann geht es ja darum, die (meistens unbewusste) Veränderungskompetenz eines Modells so zu beschreiben, dass andere mit vertretbarem Aufwand zu vergleichbaren Ergebnissen kommen. Man übersetzt die Fähigkeiten des Modells also ins NLP, man formuliert sie auf NLP.

Dieses Jahr sind es bei mir 30 Jahre, dass ich NLP mache. Wenn NLP für mich nur bedeuten würde, Formate auswendig zu lernen, sie fehlerfrei anzuwenden und schulbuchmäßig zu lehren, dann hätte ich das bestimmt nicht so lange durchgehalten. Nachdem ich NLP aber als die Sprache entdeckt habe, in der ich das formulieren kann, was für mein Leben wirklich wichtig ist (Ziele, Ressourcen, Veränderungen, …), ist NLP jeden Tag neu und lebendig.

Ich freue mich, wenn ich Dich durch meinen Weg dazu anregen kann, auch Deinen Weg frei und unabhängig zu gehen und Deine eigene Sprache zu finden.

Hier die Infos über die NLP-Stufen:

Ich wünsche Dir alles Gute und
liebe Grüße (auch von Mirela),
Ralf

PS: Hier einige vertiefende Links auf unserer Homepage:

  • Die Essenz eines Formats im Smalltalk am Beispiel Change History
  • Texte über Modelling
  • Wie man NLP mit sich selbst macht (vor allem in ›Teil 2‹)