Storycode macht mutig

Storycode macht mutig

(Ein Teilnehmerbericht vom Themenabend am 15.9.2009 – Ein Gastbeitrag von KF)

»Storycode macht mutig« – und neugierig. Ich wollte es wissen und ging hin. Wie ist die Verbindung von NLP und Storytelling in der Praxis? Ralf Stumpf lädt regelmäßig zu Themenabenden ein. Eine gute Gelegenheit, um Storycode selbst kennen zu lernen.

In den Seminarräumen fühlt man sich gleich wohl und wird herzlich empfangen: Es sind großzügige Räume in angenehmen Farben und sogar Getränke stehen bereit! So fühlt man sich gleich willkommen.

Die meisten Teilnehmer kommen regelmäßig, es herrschte von Anfang an eine vertraute Stimmung. Nach einer kurzen Begrüßung stieg Ralf Stumpf sofort ins Thema ein: »Mut ist wagendes Vertrauen in die eigene Kraft« zitierte er aus der Wikipedia. Es folgte ein spannender Vortrag über Mut, Angst, Sicherheit und Vertrauen. Ralf Stumpf verfügt über ein erstaunlich breit gefächertes Wissen. Der Streifzug geht durch die Jahrhunderte, reicht vom NLP über C. G. Jung, den Schamanismus und zur Gehirnforschung, zitiert eine ganze Reihe von Hollywoodfilmen, streift den Buddhismus und das Christentum und kehrt zurück zum Storytelling. Die Kernaussage war, dass Vertrauen aus Wiederholung kommt. Für unser Gehirn macht es dabei keinen Unterschied, ob diese Wiederholungen in der äußeren Wirklichkeit oder in der inneren Wirklichkeit stattfinden. Geschichten, die man sich immer wieder erzählt, prägen genauso, wie wiederholte Erlebnisse. Die Botschaft von »Storycode macht mutig« ist, dass man Vertrauen aufbauen kann, indem man sich gute Geschichten aus dem eigenen Leben (aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) immer wieder erzählt – bis zum Happyend.

. . . Verstehst Du Dein eigenes Thema? . . .
Nach etwa 30 Minuten fragte er, wer vor die Gruppe kommen wolle? Es meldete sich eine Frau, nennen wir sie Carola. Carola hatte ein Gespräch vor sich, für das sie sich mehr Mut wünschte. Sie hatte bestimmte Erwartungen und befürchtete gleichzeitig, diese könnten enttäuscht werden. Allerdings war sie am Anfang des Gesprächs (welches letztendlich eine Stunde dauern sollte) nicht in der Lage, ihr Thema so klar zu formulieren. Im Gegenteil: die erste Hälfte des Gesprächs verwendete Ralf Stumpf darauf, sich selbst darüber klar zu werden, was Carola eigentlich wollte. Es ist beeindruckend, wenn man miterlebt, wie ein so erfahrener Trainer und Coach ganz entspannt zugibt, dass er das Thema seiner Klientin nicht versteht! Doch wie Ralf Stumpf uns allen zeigte, ist es normalerweise so, dass wenn der Coach das Thema nicht versteht, es der Klient auch nicht versteht. Die Zeit, die man also aufwendet, um das Thema klar zu formulieren, ist für den Klienten wie für den Coach gleichermaßen spannend.

Auch wenn lange nicht klar war, worum es Carola eigentlich ging, so war doch von Anfang an deutlich zu sehen, dass das Thema sie sehr berührte. Sie war bewegt, aufgeregt und oft fiel es ihr schwer, zu antworten. Um es für Carola angenehmer zu machen, arbeitete Ralf Stumpf größtenteils inhaltsfrei. Inhaltsfrei zu arbeiten ist ein erstaunlicher Kniff aus dem NLP: statt mit dem Inhalt arbeitet man dabei mit der Struktur und mit den nonverbalen Signalen. Für uns Teilnehmer im Themenabend wurde es dadurch leider viel anspruchsvoller, dem Gespräch zu folgen. Es braucht viele Jahre Erfahrung, bis man inhaltsfrei arbeiten kann. Ralf Stumpf hat diese Erfahrung – die Teilnehmer hatten sie (noch) nicht. Doch wie Ralf Stumpf erklärte, stellt er den Menschen über die Methode.

. . . Erzähle Dir Deine Geschichten bis zum Happyend! . . .
Für Carola war es eine gute Entscheidung. Im Laufe der Stunde entwickelte sie einen ganz neuen Blick auf ihr Leben. Ihr Problem war bis dahin, dass sie sich die Enttäuschungs-Geschichten nicht zu Ende erzählt hatte. Wie sich schließlich herausstellte, gab es in ihrem Leben zwei Muster. In beiden Fällen ging sie mit großen Erwartungen in ein Gespräch. Es waren allerdings Erwartungen, die sie an den anderen Menschen hatte, die nur dieser erfüllen konnte und die sie diesem auch nicht mitteilte. Daraus ergaben sich zwei Möglichkeiten: im einen Fall wurden ihre Erwartungen erfüllt – und auch sie war erfüllt. Im anderen Fall wurden ihre Erwartungen enttäuscht – und diese Ent-Täuschung, dieses Ende der Täuschung befreite und erleichterte sie. Wie Ralf Stumpf es so schön formulierte, lief es letztendlich darauf hinaus, dass in ihrem Leben Fülle, Freiheit und Leichtigkeit immer mehr wurden! So hatte Carola es bis dahin nicht gesehen, so hatte sie sich ihre Geschichte noch nie erzählt. Ralf Stumpf meinte ein wenig verschmitzt zu ihr, dass sie, wenn sie Erwartungen hat, die sie selbst nicht erfüllen kann und die sie dem anderen auch nicht mitteilt, sozusagen an einer Lotterie teilnimmt, bei der sie nur gewinnen kann: entweder Erfüllung, oder Befreiung und Erleichterung!

Die Geschichten, die Carola sich bis dahin erzählt hatte, waren ganz anders. Zum einen übernahm sie irgendwie die Verantwortung dafür, dass der andere ihre (unausgesprochenen) Erwartungen erfüllte. Zum anderen erzählte sie sich die Enttäuschungs-Geschichten nur bis zum schmerzhaftesten Moment (nämlich dem der Enttäuschung) und ließ das Happyend (Erleichterung und Befreiung) einfach weg. Verständlich, dass man mit so einem Storytelling ungute Gefühle vor einem Gespräch entwickelt!

. . . Neugierig auf das nächste Happyend! . . .
Hinterher war Carola verwandelt. Sie war sehr still, in sich gekehrt und nachdenklich. Sie meinte aber auch, dass sie entspannt und erleichtert sei. Ralf Stumpf schlug ihr vor, dass Neugierde vielleicht ein sehr angemessenes Gefühl wäre, um in das Gespräch zu gehen: »Ich bin richtig gespannt, welchen Weg meine Erwartung diesmal nehmen wird. Ob ich hinterher wohl erfüllt oder befreit sein werde …?«

Storycode macht mutig – für Carola hat es sich erfüllt. Sie wird nächste Woche sehr viel entspannter und gelassener in ihr Gespräch gehen. Wir Zuschauer hatten dann (nach einer kleinen Pause) die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Dabei stellte sich heraus, dass einige von uns parallel ihre eigene Geschichte bearbeitet hatten. In diesem Fall war die inhaltsfreie Arbeit sogar ein Vorteil, da man viel leichter seine eigenen Bilder und Erfahrungen in die Struktur der Geschichte einsetzen konnte.

Mich hat der Abend davon überzeugt, dass die Verbindung von Storytelling und NLP sich lohnt. Ich werde wiederkommen und weitermachen!

-KF